Ein Blick in die Kirche

Kirche Blick zum AltarDie Kirche wurde – was durchaus ungewöhnlich war – als Zentralbau errichtet. Nicht die Formen vergangener Jahrhunderte galten als Vorlage, sondern moderne Formen der Gegenwartsarchitektur mit ihren klaren Formen und ihrer Sachlichkeit. Die spät-expressionistische Ausstattung im Innern bildet mit der Architektur des Raumes eine Einheit. Die St. Bonifatiuskirche ist ein herausragender Kirchbau der Zwischenkriegszeit in Mitteldeutschland.

Der Innenraum wird durch das große Kreuz mit dem über sechs Meter großen holzgeschnitzten Corpus dominiert. Das Lebensopfer Jesu, sein Tod und seine Auferstehung, sind die Ursache jeder Zusammenkunft zum Gottesdienst. Unter diesem Kreuz versammelt sich die Gemeinde.

Ein ganz anderes Opfer war ursprünglich in der Turmkapelle thematisiert. Ein toter Krieger aus Terrakotta erinnerte an die Soldaten, die im Krieg ihr Leben gelassen hatten. Theo Burlage stellte seinen Entwurf unter den Grundgedanken „zwei Opfer“: das Opfer Christi am Kreuz und das Lebensopfer der Soldaten. Vielleicht wirkt dieses Programm heute fremd, aber es verbindet bei aller Verschiedenheit das Leben der Glaubenden mit dem ihres Herrn Jesus Christus. Nach der Liturgiereform des II. Vatikanischen Konzils kam in dieser Kapelle der Tabernakel zur Aufstellung, in dem das eucharistische Brot für Kranke und zur Verehrung aufbewahrt wird.

Heute haben alle Farbfenster – auch die im Krieg zerstörten – wieder ihre ursprüngliche Gestalt, die ihnen Albert Burges und der Glasmaler Theo M. Landmann gegeben hatten. Nur wenig Tageslicht fällt durch die Fenster in den Kirchenraum. Der Raum lebt von den kräftigen Farben, die bei der Renovierung 2005 in wesentlichen Punkten der ursprünglichen Gestaltung nachempfunden worden sind. Der Fußboden besteht aus irdenem Material, aus gebrannten Tonziegeln. Die Kuppel, also der Himmel, ist vergoldet und spiegelt das Licht der indirekten Beleuchtung wider. In dieser Spannung feiert die Gemeinde Gottesdienst: erdverbunden und doch unter einem goldenen Himmel, geprägt von dieser Welt und doch in der Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde.

Am Zugang zur Turmkapelle stehen von den Bildhauern Albert Burges und Wolf-Dietrich Stein geschaffene Terrakottafiguren, die eine Beziehung zur Thematik Opfer bzw. zum KKV haben. Die untere Reihe zeigt Gestalten des Alten Testamentes: Abel, Abraham, Mose und Melchisedek. Darüber stehen Soldaten der Märtyrerzeit: Mauritius, Georg, Viktor und Sebastian. Gekrönt wird die Figurenreihe von Heiligen, denen sich die Kaufleute besonders verbunden fühlen: Petrus Canisius, Albertus Magnus, Franz von Assisi und Homobonus.

Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich die Taufkapelle mit dem aus Klinkern gemauerten Taufstein. Über dem Zugang zum Taufort stehen die vier Evangelisten, hingeordnet auf die Kanzel, dem alten Ort der Verkündigung.

Die Orgel war durch die Firma Jehmlich (Dresden) ursprünglich für die Dresdner Andreaskirche geschaffen worden. Sie kam 1935 in unsere Kirche und wurde zuletzt im Jahr 2005 durch Orgelbaumeister Bochmann (Kohren-Sahlis) überholt. Zum Gottesdienst rufen auch die vier Glocken, die in den Nachkriegsjahrzehnten mühsam beschafft werden konnten.

In den Jahren 2004/2005 erfolgte eine grundlegende Rekonstruktion der Kirche. Das Architekturbüro Löffler und Weber aus München entwarf im Gespräch mit der Gemeinde, ihrem damaligen Pfarrer Bernhard Seibt und der Denkmalpflege ein Konzept, das sowohl liturgischen Gesichtspunkten wie auch der Originalausstattung Rechnung trägt.

Im neugestalteten Altarbereich stehen der Altar und der Ambo nebeneinander unter dem Kreuz. Die Gemeinde versammelt sich um diese Orte, um im Wortgottesdienst von Gottes rettendem Handeln zu erfahren und Anteil daran zu gewinnen und um in der Eucharistiefeier im gebrochenen Brot aus der Hingabe Jesu zu leben. Im Hören auf das Wort und in der Feier der Eucharistie wird Kirche gebildet.

Die halbrunde Bestuhlung unterstreicht die Versammlung der Gemeinde um den Altarbereich. In der neuen Sitzanordnung wird die Idee des Zentralraumes konsequenter fortgeführt, wobei das Zentrum der feiernden Gemeinde der gegenwärtige Christus ist. Der ganze Raum soll auf verschiedene Weisen der Begegnung mit ihm dienen.

Die Seitenkapellen sind durch die Darstellung Marias, der Mutter des Herrn, und des hl. Bonifatius, des Patrons der Kirche, bestimmt. Der beeindruckende Kreuzweg aus Böttchersteinzeug stammt von Friedrich Press. Die variablen Hocker in den Seitenkapellen können zur Messfeier auf den Altar ausgerichtet werden und zu nichteucharistischen Gottesdiensten, wie Taufen, Andachten, der Feier der Tagzeiten oder für kleinere Gruppen entsprechend den Erfordernissen aufgestellt werden.